Bergzauber

Bettina Micheli: Zwischen Südtirols Bergen und New Yorks Skyline

Eine Reise von den Alpen bis in die Metropole
LaMunt Team

Geboren und aufgewachsen in Südtirol, führt Bettina Micheli mittlerweile ein spannendes Leben am anderen Ende der Welt: seit dem Jahr 2000 lebt und arbeitet sie in New York, der immer wachen und pulsierenden Weltmetropole. Diese erreichte Bettina eher per Zufall und arbeitete anfangs für einige Jahre als Fotoredakteurin für renommierte Zeitschriften und Magazine wie The New York Times, W Magazine und Flair. 2011 gründete sie ihr Unternehmen B* Projects Inc, welches Werbe- und Kommunikationskampagnen in Zusammenarbeit mit internationalen Marken wie Ralph Lauren, Tiffany, Netflix, Hyatt, Tom Ford, LVMH, The Met, Nike, MAC und Estée Lauder produziert. Als Kunst-, Film- und Literaturliebhaberin vergisst Bettina jedoch niemals ihre erste große Liebe: die Berge. Wann auch immer sie kann, „flieht“ sie aus dem Big Apple und kehrt in ihre Heimat zurück - zum Wandern und erklimmen von Gipfelkreuzen oder zum Skifahren, wenn die Landschaft sich langsam in verzauberndes Weiß verfärbt.

Bettina, worin besteht deine Arbeit als Produzentin in New York?

Meine Arbeit ist sehr kreativ aber vor allem geht es um das Organisieren und Projektmanagement. Im Konkreten kümmere ich mich darum alle möglichen Aspekte und Teile eines Foto- oder Videoshootings zu koordinieren. Vom Budget bis zum Locationscouting, vom Casting, der Hilfe und Unterstützung der beteiligten Profis, wie Fotograf:innen, Stylist:innen und weiteren Mitarbeiter:innen, bis hin zur Postproduktion und der finalen Abgabe des Projekts.

Wie ist dein Zugang zu diesem Job, der fast jenem eines Marionettenspielers ähnelt, der alle Fäden in der Hand hält?

Mein Zugang ist in erster Linie menschlich. Ich erinnere mich stets selbst daran, dass trotz der strengen und vielen Arbeitszeiten und Rhythmen, den Budgets und dem Stress, der oft während eines Shootings aufkommen kann, ich immer noch mit Menschen arbeite, die alle ihre Eigenheiten, Stärken und Schwächen haben und, dass diese nicht unterschätzt werden dürfen. Gleichzeitig ist es natürlich auch wichtig den Kunden zufriedenzustellen.

Südtirol, das Land der Berge, ist deine Heimat. Wie stehst du zu den Bergen, vor allem jetzt, wo du in einer Weltmetropole lebst?

Ich habe eine extrem enge und grundlegende Beziehung zu den Bergen. Skifahren ist meine größte Passion überhaupt. Die Berge symbolisieren für mich Winter, Schnee und Skifahren. Ich liebe die Berge auch im Sommer aber da ich an einem Ort mit nicht so hohen Gipfeln lebe, gebe ich mich mit den „kleineren“ hier rund um New York zufrieden. Die Berge sind für mich vor allem auch eine Quelle von psychischem und physischem Wohlsein, nichts anderes auf der Welt kann mir solche Emotionen und Erlebnisse bescheren: Sport, frische Luft, unendliche Schönheit und die vielen Endorphine, die all diese Dinge vereint mit sich bringen. Als Hintergrundbild auf meinem Handy habe ich ein Foto der Sella-Gruppe in Weiß, nur damit klar ist, wie sehr ich dieses natürliche Ambiente liebe.

Die Berge sind auch große Lehrmeister für das Leben. Gibt es etwas in deinem Dasein als Bergliebhaberin, was du in deinen Alltag in New York mitnimmst, sowohl auf persönlicher, als auch auf beruflicher Ebene?

Sicherlich die Ausdauer und Beharrlichkeit. Beim Bergsteigen muss man stets nach oben, manchmal mit viel Mühe, aber immer mit dem großen Enthusiasmus und der Vorfreude, den Gipfel zu erreichen. Es ist einem bewusst, dass man zuerst den Gipfel erreichen muss, bevor man den Abstieg beginnen kann (dabei wissend, dass der Abstieg manchmal noch viel anstrengender ist). Und du weißt, dass es hart sein wird da rauf zu kommen aber – sobald du losgehst – siehst du die Natur um dich herum, spürst die Energie, die dich durchdringt und die Mühe schwindet langsam und ein Gefühl von großer Zufriedenheit tritt ein.

Gibt es etwas, wie eine Erinnerung, einen Ort, ein Gefühl, der mit den Bergen zu tun hat, an den du dich klammerst, wenn du wieder in New York bist?

Auf jeden Fall. Wenn ich nach New York zurückkehre, behalte ich den letzten Tag auf den Skiern, die Erinnerung an den Schnee, die Sonne, das leckere Essen auf der Hütte und die lieben Menschen, mit denen ich solche Schneetage teile, immer im Herzen. Und wenn dann einmal ein nicht so guter Tag kommt, versuche ich mir diese Dinge aus der Erinnerung zu fischen und sage mir „komm schon, in ein paar Monaten geht es wieder nach Südtirol“.

Wie sieht ein idealer Tag für dich aus?

Ein Tag auf den Skiern ist für mich der perfekte Tag, es gibt nichts Vergleichbares. Wenn ich andere Bergliebhaber und Liebhaberinnen treffe, habe ich immer das Gefühl zu einem „exklusiven“ Club zu gehören. Ein Club der keine Mitgliedskarte benötigt, es reicht diese Leidenschaft miteinander zu teilen und wenn man sich trifft, bleibt die Welt plötzlich stehen und es gibt nur noch die Berge.

Wie erlebst du die Berge hingegen im Sommer?

Seit der Pandemie habe ich herausgefunden, wie einfach es ist, hier wandern zu gehen, auch ohne Auto. Inzwischen kenne ich alle Orte, die man mit dem Zug erreichen kann, und ich fahre mindestens ein oder zwei Wochenenden im Monat dorthin. Ich brauche das so sehr, denn nach so vielen Jahren in einer Großstadt ist es wirklich lebensnotwendig, an einen Ort zu kommen, wo es nur Natur und Stille gibt. Ich habe eine Freundin hier, auch sie Italienerin, mit der ich diese Bergrituale teile. Aber ich lade immer mehr Leute ein mich zu begleiten, was nicht so einfach ist, die New Yorkers sind nicht gerade Bergleute. Aber sobald ich sie überzeugen konnte, sind sie nachher meistens sehr froh darüber. Sie finden auf diesem Wege dann eine spezielle Form von Zufriedenheit, die sie so nicht kannten. In Südtirol, im Sommer, ist das ganz anders: es gibt unzählige Routen und Gipfel zu erleben, mit wahnsinnig schönen Aussichten und dann sind da noch die Berghütten, die ich ja besonders liebe. Immerhin kann man dort lecker schlemmen, nachdem man sich angestrengt hat.

Was darf im Rucksack von Bettina niemals fehlen?

Wasser, Sonnencreme, ein Spray gegen Zecken und etwas zu essen.